Diskussion über die Herausforderungen und Aussichten der Fertigungsindustrie im Rahmen des KPMG Branchengespräches

Die Fertigungsindustrie steht derzeit vor erheblichen Herausforderungen. Diese werden vor allem durch die Corona-Pandemie, unvorhersehbare Entwicklungen der Rohstoffpreise und Lieferengpässe hervorgerufen. Auch der Konflikt in der Ukraine und nationale Beschränkungen sowie Sanktionen beunruhigen die Branche erheblich. All dies beeinflusst die Hinwendung zu einer vielseitigen und resilienten Lieferkette. Zusätzlich bleiben Fragen um den wachsenden Druck aus dem Bereich ESG und der Umsetzung einer nachhaltigen Unternehmensführung offen.
In diesen Kontext tritt die digitale Transformation als eine sowohl herausfordernde als auch chancenreiche Entwicklung für die Unternehmen auf. Das Gespräch mit Thomas Fischer, dem Vorstandsvorsitzenden der Mann & Hummel Group, soll dabei helfen, diese Themen besser zu beleuchten. Mann & Hummel ist ein weltweit führender Filterspezialist und ist bekannt für seine Innovationen im Bereich Gesundheit, Mobilität und Industriefiltration. Fischer's umfangreiches Engagement und Netzwerk bieten einen fundierten Einblick in die aktuelle Situation der Fertigungsindustrie.
Weiterhin an der Diskussion beteiligt ist Sascha Glemser, Partner Value Chain Transformation bei KPMG, mit einem thematischen Fokus auf die digitale Transformation im Vertrieb. Die angespannten globalen Lieferketten, die von Lieferengpässen und steigenden Rohstoffpreisen geprägt sind, sind ein weiterer Aspekt der Gesprächsrunde. In diesem Zusammenhang werden auch mögliche Abkehr von globalen Beschaffungsstrategien und lokale Produktionsansätze diskutiert.

Zukunftsorientierte Unternehmensstrategie: Globalität, Agilität und Unabhängigkeit

Mann und Hummel plant sich zukünftig breiter aufzustellen, wobei der Fokus auf einer erhöhten Flexibilität und Transparenz liegt. Der Globalitätsanspruch bleibt, trotz potenziellen Herausforderungen bei der Lieferkette, bestehen. Die Notwendigkeit der globalen Ausrichtung wird unterstrichen durch die Unterschiede zwischen stagnierenden europäischen Märkten und dynamisch wachsenden Regionen weltweit.
Unabhängigkeit in der Beschaffung ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Viele Unternehmen sind stark von chinesischen Zulieferern abhängig, weshalb es eine zunehmende Bedeutung der Diversifikation von Beschaffungspartnern gibt. Hier wird die "China-plus-N-Strategie" als gängiger Ansatz zur Risikominimierung genannt.
Schließlich wird erörtert, dass langfristige Veränderungen von Werkstrukturen, hin zu mehr Lokalität, Flexibilität und Mobilität, eine Lösungsstrategie darstellen könnten. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch eine entsprechend transparente und agile Lieferkette. Diese Themen der Flexibilität, Transparenz und Agilität sind auch für Mann und Hummel von Bedeutung und Teil ihrer strategischen Zukunftsausrichtung.

Unternehmensanpassungen und intersektionale Herausforderungen in der Globalisierung

In der sich ständig verändernden Geschäftswelt müssen Unternehmen proaktiv und innovativ sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Anpassungsbedürftige Bereiche umfassen Preisanpassungen, Kundenbetreuung und die kontinuierliche Entwicklung von Betriebsabläufen. Ein strategischer Fokus auf gesunden Menschenverstand, lokale Präsenz und die Vermeidung von Abhängigkeiten von einzelnen Zulieferern ist dabei unerlässlich.
Im Bestreben, effizienter zu produzieren und näher am Kunden zu sein, kommt neuen Fertigungstechnologien wie dem 3D-Druck besondere Bedeutung zu. Insbesondere im Low-Volume-High-Mix-Segment erweist sich diese Technologie als entscheidend. Doch auf dem Weg zu einer dann mehrstufigen Zusammenarbeit gilt es, auch Plattformen und Vertrauensarbeit effektiv zu nutzen und eine partnerschaftliche Kultur zwischen Zulieferern und Einkäufern zu etablieren.
Dabei darf auch die Rolle von Großmakern wie China nicht vernachlässigt werden. Obwohl viele Unternehmen von einer zunehmend diversifizierten Beschaffung profitieren, bleibt China als großer Absatzmarkt unersetzlich. Eine Schwerpunktlegung auf Asien insgesamt oder auf andere Regionen darf dabei nicht zu einer Vernachlässigung spezifischer Märkte führen. Es muss immer darauf geachtet werden, Abhängigkeiten zu vermeiden und den Schutz von IT- und geistigem Eigentum sicherzustellen.

Digitale Transformation und Partizipation: Neue Ansätze zur Optimierung der Lieferkette

Im Hinblick auf Geschäftsführung und Expansion auf ausländische Märkte wie China, bewegt sich die bevorzugte Vorgehensweise hin zu partnerschaftlichen Modellen und breiterer Beschaffung. Es wurde betont, dass entstehende Kosten im Vergleich zu den assoziierten Risiken niedrig sein sollen. Zusätzlich herrscht das Verständnis, dass geistiges Eigentum (IP) in einem zentralen Topf gesammelt werden sollte, auch wenn es in anderen Ländern generiert wird.
Die Notwendigkeit von Transparenz in der gesamten Lieferkette und in allen Bewertungsansätzen wurde hervorgehoben. Als kritisch wurde befunden, dass Unternehmen Informationen darüber haben müssen, wo und wie sie ihre Zulieferprodukte erwerben und wer diese liefert, um gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeitsstandards in Einklang mit Kunden- und gesetzlichen Anforderungen zu bringen.
Der Einsatz moderner, digitaler Lösungen wird immer wichtiger zur Herstellung von Transparenz in der Lieferkette. Die Datenanalyse wird als kritischer Faktor nicht nur zur Kundenversorgung, sondern auch zur Preisgestaltung gesehen – insbesondere angesichts der aktuellen Debatte um Preissteigerungen. Es gibt eine Anerkennung der Tatsache, dass Unternehmen nicht notwendigerweise eigene Lösungen entwickeln müssen, da es eine steigende Anzahl effizienter Tools und Unterstützungsmöglichkeiten auf dem Markt gibt, sowohl von Startups als auch von großen Unternehmen.

Digitale Transformation und Datenstrategie in der Unternehmenslandschaft


Der erste Abschnitt konzentriert sich auf die Bedeutung von digitalen Technologieinstrumenten für Unternehmen und deren Auswirkung auf die Effizienz. Angesprochen wird auch die Notwendigkeit, den Fokus auf die Weiterentwicklung beizubehalten, sowie die Rolle von Unternehmen in dieser Veränderung. Die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um Transparenz in der Lieferkette zu gewährleisten, dienen dabei als Beispiel.
Im zweiten Abschnitt liegt der Schwerpunkt auf den bevorstehenden Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf die digitale Transformation und die Bereiche Resilienz, Transparenz und Agilität. Es wurde betont, dass diese wichtige Themen sind, die die Fertigungsindustrie berühren. Außerdem wurde über die Notwendigkeit eines robusten Datenmanagements und einer umfassenden Datenstrategie gesprochen und hervorgehoben, dass datengesteuerte Unternehmen gerade einen wesentlichen Schwerpunkt in vielen Branchen darstellen.
Im dritten und letzten Absatz geht es um die Praxis der digitalen Transformation in Unternehmen und deren Position diesbezüglich. Trotz der Anerkennung, dass sie relativ weit bei der Anwendung digitaler Instrumente und Strukturen ist, besteht die interne Perspektive darin, dass sie sich noch am Anfang befinden und mit neuen Strategien experimentieren. Das Infragestellen der bisherigen Vorgehensweise und das Erkennen der Notwendigkeit einer sauberen Definition der Datenstrategie werden als wichtige Lektionen hervorgehoben.

Vom Datenhaufen zur datengetriebenen Unternehmensstruktur


Im Zuge der Transformation zum datengetriebenen Unternehmen sind erste Fortschritte spürbar. Beispielsweise konnte die Zeit, in der große Datenmengen analysiert und bereinigt werden, deutlich verbessert werden. Es geht nicht mehr um Stunden, sondern um Minuten. Dies zeigt, dass Datenmanagement-Strategien beginnen, effektiv zu wirken und sowohl die Geschwindigkeit als auch die Anzahl der verarbeiteten Daten sich verbessern. Allerdings steht und fällt der Erfolg dieser Transformation mit dem Verständnis und der Akzeptanz der Belegschaft für die neuen Prozesse.

Die Überleitung in den Status eines datengetriebenen Unternehmens ist mit Herausforderungen verbunden. Das beginnt bereits bei der Notwendigkeit, Prozesse zu standardisieren und zu verbessern. Ein einheitliches SAP-System ist zwar vorhanden, doch aufgrund der Vielfalt in den Waren Eingangsflüssen bei vielen Fertigungseinheiten, besteht noch Optimierungsbedarf. Die Prozessstandardisierung ist ein wichtiger erster Schritt in Richtung eines effizienten datengetriebenen Unternehmens.

Auf dem Weg hin zu einem datengetriebenen Unternehmen muss auch die Frage der Datenbeschaffung geklärt werden. Frühere Ansätze, Daten selbst zu analysieren, werden zunehmend durch externe Datenquellen ersetzt. Eine weitere Entwicklung ist, dass mehr und mehr auf Plattformen zurückgegriffen wird, die verschiedene Modelle zusammenführen können. Diese Entwicklung zeigt, dass Transformation zu einem datengetriebenen Unternehmen parallel in verschiedenen Bereichen voranschreitet.

Digitale Transformation und Datengetriebene Geschäftsmodelle

Das Unternehmen hat ein Shared Service Centre zur Abbildung und Optimierung ihrer internen Prozesse aufgebaut, darunter Hire to Retire und Procure to Pay. Diese Prozesse werden mehr und mehr digitalisiert und werden global in der Organisation akzeptiert.
Das zweite Standbein ist die Fertigung mit einer Schnittstelle für Bestand und Lieferketten. Hier werden zunächst traditionelle Management-Systeme eingeführt und durch Technologien wie Snowflake und Celonis ergänzt. Die Implementierung erfolgt dabei stufenweise, um schnelle und sinnvolle Ergebnisse aus den Daten zu erzielen.
Das dritte Standbein stellt die Ausrichtung auf datengetriebene Geschäftsmodelle und Digitalisierung dar. Dies beinhaltet Aktivitäten wie E-Commerce, Website-Management, Anpassungen von Preisen und die Sammlung von Informationen, alles im Rahmen einer erhöhten Transparenz und agilen Handelsebene. Dabei kommt sowohl AI-getriebene Datenverarbeitung als auch menschlicher Input zum Einsatz. Die Balance zwischen datengetriebener und menschlicher Perspektive wird dabei innerbetrieblich diskutiert.

Mitarbeiter-Einbindung in digitale Transformation und Umgestaltung der Unternehmenskultur

Die Firma hat in der Vergangenheit ihre digitale Strategie analysiert, einschließlich Aspekten wie Internet of Things (IOT), Digital Twin und dem Digitalisierungsgrad des Arbeitsplatzes. Darüber hinaus wurden "weiche" Themen wie Skillsets, Unternehmenskultur und ein datengesteuertes Mindset in den Fokus gerückt. Die Hauptpriorität für die kommenden Monate liegt nun auf der Veränderung der Unternehmenskultur und des Mindsets, weg von alten Gewohnheiten und hin zu neuen Technologien.
Die Mitarbeiterschaft soll durch gezielte Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen auf die digitale Transformation vorbereitet werden. Dabei werden auch neue Anforderungen der Mitarbeiter berücksichtigt und die Führungskräfte entsprechend ausgebildet. So soll das Unternehmen von innen heraus umstrukturiert werden und fit für die digitalen Herausforderungen gemacht werden.
Um die Akzeptanz für die Veränderungen zu erhöhen, werden kleine Use Cases eingeführt, in denen die Mitarbeiter die Vorteile der digitalen Transformation direkt erleben können. In diesem Kontext wurde beispielsweise die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister auf der Produktionsebene ermöglicht. Diese Maßnahmen sollen den Mitarbeitern verdeutlichen, wie die Digitalisierung ihre Arbeit erleichtern und den Kundenservice verbessern kann.

Digitale Transformation in Unternehmen: Innovation durch Mitarbeiterbeteiligung und neue Arbeitsmodelle

Ein Unternehmen forderte seine Mitarbeiter weltweit heraus, Ideen für digitale Innovationen in der Fertigung einzubringen. An dieser Herausforderung nahmen von 20.000 oder 21.000 Mitarbeiter etwa 2.000 teil und brachten über 1.500 wertvolle Vorschläge, die sich auf Digitalisierungsthemen bezogen. Diese wurden geclustert und werden nun schrittweise umgesetzt, wobei die Mitarbeiter, die daran teilgenommen haben, eingebunden und mindestens informiert waren. Dies erfordert von den Führungskräften Kommunikation, Verständnis und Akzeptanz.
Zur Bewältigung der Umsetzungsgeschwindigkeit und regionalen Unterschiede fordert die digitale Transformation das Unternehmen heraus, dezentraler zu arbeiten, was eine weitere Kulturveränderung erfordert.
Das Thema Digitalisierung 4.0 erfordert neue digitale Fähigkeiten, die für den digitalen Wandel erfolgskritisch sind. Gleichzeitig wird auch kollaboratives Arbeiten, also die Zusammenarbeit über Fachbereiche hinweg, zum Schlüssel für die digitale Transformation. Es geht nicht nur darum, bestehende Mitarbeiter zu halten, sondern auch zu qualifizieren, insbesondere in Bezug auf diese neuen Arbeitsmodelle.

Unternehmensführung in der digitalen Ära: Herausforderungen und Lösungsansätze

In der Vergangenheit prägte Mangel die Unternehmenskultur und förderte die Kollaboration. Der Wiederaufbau und die Weiterentwicklung unter solchen Bedingungen erforderte eine über Silos hinwegarbeitende, kollaborative Haltung. Mit der Zeit hat sich der Umgang mit Daten als entscheidend für den Kollaborationsprozess herausgestellt. Datenzugänglichkeit muss gewährleistet sein, um effektiv arbeiten zu können, dabei müssen jedoch Missbrauchsrisiken vermieden und neue datengestützte Modelle entwickelt werden. Innovative Tools unterstützen diese Prozesse.
Die Digitalisierung hat auch neue Herausforderungen für die Bindung von Mitarbeitern an das Unternehmen mit sich gebracht. Die Flexibilität des Home-Office hat viele angelockt, doch es zeigt sich, dass die Vernetzung dieser dezentralen Mitarbeiter ins Unternehmen eine weitere Hürde darstellt. Es ist notwendig, eine Balance zwischen der Erlaubnis dezentraler Arbeit und dem Erhalt der Unternehmenskultur zu finden.
Führung ist der Schlüssel, um diese Herausforderungen zu meistern. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die notwendige Mischung aus digitalen Fähigkeiten, kulturellem Erhalt und Einbindung dezentraler Mitarbeiter zu erzielen. Trotz der zahlreichen Herausforderungen, wie Nationalismus, neue Regelungen oder besondere Ereignisse, gibt es dennoch vielversprechende Ideen, um mit diesen Umständen umzugehen. Es ist eine spannende Zeit für Corporate Leadership.

Schritte zur Unternehmensoptimierung durch Transparenz und Innovation

In der heutigen Geschäftswelt spielt die Lieferkette eine entscheidende Rolle. Um diese zu optimieren, benötigen Unternehmen eine transparente Lieferkette. Transparenz ermöglicht es den Unternehmen, effizienter zu funktionieren und proaktiv auf Probleme zu reagieren.
Darüber hinaus kann die Erweiterung des Lieferantennetzwerks eine Lösung bieten, um die unternehmerische Effizienz zu steigern. Ein breiteres Lieferantennetzwerk ermöglicht es den Unternehmen, flexibler zu agieren und besser auf Marktveränderungen zu reagieren.
Schließlich ist der wichtigste Schritt zur Unternehmensverbesserung die Einbindung der Mitarbeiter bei der Einführung neuer Tools und Geschäftsmodelle. Dadurch wird ihr Engagement und ihre Effizienz gesteigert. Es ist besonders wichtig, die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen und ihre Beteiligung zu fördern, um letztlich die Unternehmensziele zu erreichen.

Der KPMG Zukunftsgipfel geht in die nächste Runde. Am 12. Juni 2024 feiern wir das große Finale des KPMG Zukunftsgipfels. Auf unseren Bühnen zu den Themen ESG, Governance & Performance, digitale Transformation, International Business und in einem separaten Branchen-Stream blicken wir auf zukünftige Erfolgswege Ihres Unternehmens.

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