Der Gesetzgeber will mit dem Hinweisgeberschutzgesetz Whistleblower in Deutschland besser schützen. In diesem Talk diskutieren die Experten am Beispiel von Robert Bosch, welche Aspekte entscheidend für ein erfolgreiches Hinweisgebersystem sind.

Das Hinweisgeberschutzgesetzes und seine Bedeutung in Unternehmen

Der Compliance-Experte Markus Bamberger erörterte die Verabschiedung des deutschen Hinweisgeberschutzgesetzes und die damit verbundenen Herausforderungen. Bamberger betonte, dass die Gesetzgebung nach mehrmaligen Entwürfen, Debatten und Modifikationen schließlich im Juni in Kraft getreten ist. Er äußerte, dass der Schutz für Whistleblower (Hinweisgeber) zu spät eingeführt wurde, da dieser bereits ein etablierter Bereich in internationalen Unternehmen ist und einen großen Teil eines Compliance-Management-Systems ausmacht.
Im Kontext von Bosch als internationalem Konzern betonte Bamberger, wie das Hinweisgeberschutzsystem eine wichtige Rolle spielt. Bosch hat sein System bereits im Jahr 2008 entwickelt und steht daher in diesem Bereich an vorderster Front. Um das System zu fördern und das Bewusstsein dafür zu stärken, startete das Unternehmen eine "Speak-Up"-Kampagne. Diese ermutigt Mitarbeiter aktiv dazu, Verstöße zu melden und dabei Schutz zu erfahren.
Bei der Behandlung des Themas Anonymität betont Bamberger, dass der Gesetzgeber keinen Zwang ausübt, anonyme Meldungen zu ermöglichen, obwohl die Anonymität nachweislich hilft, das Melden von Verstößen zu erhöhen. Auf die Frage hin, wie Bosch dieses Thema handhabt, ging Bamberger nicht weiter ein, was auf eine weitere Diskussion in diesem Bereich hindeutet.

Unternehmenskultur, Hinweisgeberschutz und kontinuierliche Verbesserung

Das Unternehmen legt Wert auf eine Kultur, in der Hindernisse für Mitarbeiter, Hinweise zu geben, minimal sind. Es sieht dies als Teil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses und eines selbstlernenden Unternehmens und strebt danach, niemanden aufgrund von mangelndem Mut zur Meldung zu exkludieren. Daher geht das Interesse des Unternehmens über die Umsetzung des Hinweisgeberschutzgesetzes durch den Gesetzgeber hinaus, um auch Fälle abzudecken, die nicht unter spezifische Normen fallen.
Anonyme Meldemethoden sind besonders wichtig in Ländern oder Kulturen, in denen Menschen tendenziell zurückhaltender sind, sich zu offenbaren, wie in Teilen Asiens. Die EU-Kommission vertritt die Ansicht, dass dezentrale Systeme etabliert werden sollten, damit Hinweisgeber wissen, dass ihre Meldungen lokal verarbeitet werden. Dies stellt jedoch für Konzerne mit vielen Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern eine Herausforderung dar.
Boschs Erfahrung zeigt, dass Mitarbeiter in kleineren Strukturen oft ein größeres Interesse daran haben, sich an eine Konzernabteilung zu wenden, besonders wenn sie ihrem lokalen Management oder der lokalen Personalabteilung nicht vertrauen. Es ist jedoch kostenaufwendig und aufwendig, separate Systeme in jedem Land zu implementieren. Die Anzahl der Meldungen aus Bosch entspricht ungefähr den statistischen Erwartungen, mit etwa 5 Meldungen pro 1.000 Mitarbeiter, was insgesamt etwa 1.300 Meldungen pro Jahr ergibt. Diese Anzahl von Meldungen wird als positiv und als Zeichen eines gesunden Unternehmens angesehen.

Supply Chain Due Diligence und Beschwerdemechanismen aus Compliance-Sicht

Zunächst steht das Thema Supply Chain Due Diligence im Fokus und ein damit verbundener Beschwerdemechanismus europaweit Anwendung findet. Der Fokus liegt dabei auf der Fragestellung, ob diese beiden Mechanismen als eine Einheit oder getrennte Systeme gesehen werden. Weiterhin richtet sich die Frage an die Bosch-Unternehmensrepräsentanten, wie sie mit der neuen Gesetzgebung verfahren.
Bosch verfolgt dabei einen integrativen Ansatz, bei dem sie versuchen, Synergien zu nutzen und Lösungen für alle Compliance-Bereiche zu erstellen. Bosch nimmt in dieser Hinsicht eine führende Rolle ein, um Strukturen, Systeme und Prozesse zu schaffen, an denen sich andere beteiligen können. Dennoch ist es immer noch notwendig, für einzelne Fachbereiche, ihre Governance-Verantwortung zu erfüllen.

Der KPMG Zukunftsgipfel geht in die nächste Runde. Am 12. Juni 2024 feiern wir das große Finale des KPMG Zukunftsgipfels. Auf unseren Bühnen zu den Themen ESG, Governance & Performance, digitale Transformation, International Business und in einem separaten Branchen-Stream blicken wir auf zukünftige Erfolgswege Ihres Unternehmens.

Jetzt anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Mittwoch, 21. Februar 2024 | 37 Aufrufe