Metaverse im Handel und Konsumgüterbranche mit Stefan Fetsch und Dorothee Ebert

Stefan Fetsch leitet die Bereiche Handel und Konsumgüterindustrie bei KPMG in Deutschland. Dorothee Ebert ist Partnerin bei KPMG im Bereich Customer Consulting und wegen ihrer Expertise im Handel und in der Konsumgüterindustrie eine gefragte Gesprächspartnerin. Sie diskutieren über Sinn und Unsinn des Metaverse.

Definition und Entwicklung des Metaverse

Die Session beginnt mit der Darstellung dreier Ansichten über die Definition und Entwicklung des Metaverse von bekannter Unternehmer wie Elon Musk und Jack Ma. Die Visionen variieren von der Verschmelzung biologischer und digitaler Intelligenz – Musk arbeitet über sein Startup Neuralink an einem Hirnimplantat zur Übertragung von Impulsen – bis hin zu einem umfassenden Online-Ökosystem für Verbraucher und Geschäfte, das von Jack Ma, dem Gründer von Alibaba, vorgeschlagen wurde.

Darum sollten sich Unternehmen sich mit dem Metaverse auseinandersetzen

Das Metaverse ist eine Weiterentwicklung des Internets, die eine vielschichtige, immersive 3D-Erfahrung bietet, die alle Sinne einbezieht. Statt auf eine 2D-Darstellung des Internets zu schauen, leben die Nutzer im Metaverse innerhalb einer 3D-Welt. Es handelt sich nicht um einen einheitlichen, homogenen Raum, sondern um verschiedene, durchlässige virtuelle Universen, in denen sich die Nutzer mit ihren Avataren bewegen können.
Die Vision hinter dem Metaverse ist es, die reale Welt bestmöglich in der virtuellen Welt abzubilden - inklusive unserer Persönlichkeiten und Lebenswelten. Obwohl diese Vision noch nicht vollständig realisiert ist, wird erwartet, dass das Metaverse in Zukunft das Leben, Arbeiten und soziale Interaktionen ermöglicht und sogar den Handel erleichtert.
Zuallererst ist wichtig: Unternehmen, insbesondere Händler und Hersteller, sollten sich mit dem Metaverse auseinandersetzen. Obwohl das Metaverse noch nicht in seiner endgültigen Form existiert, ist die technologische Infrastruktur bereits vorhanden und Menschen sind bereit, sie zu akzeptieren und zu nutzen. Das Ignorieren des Metaverse könnte daher für Unternehmen gefährlich sein, da es eine mögliche Zukunft des Internets ist.

Metaverse-Studie und dessen Potenzial

Eine aktuelle Studie zeigt, dass es eine allgemeine Zustimmung für das Konzept des Metaverse gibt, obwohl es noch nicht vollständig verwirklicht ist. Fast die Hälfte der Befragten freute sich auf die Anwendung des Metaverse, und viele haben bereits konkrete Vorstellungen von den Aktivitäten, die sie in diesem virtuellen Universum ausführen könnten. Es gibt eine beträchtliche Neugierde auf diese neue Technologie und die Fähigkeit, sie zur Personalisierung und Verbesserung der Kauferfahrung zu nutzen.
Der Begriff Metaverse ist der jüngste in einer Reihe von Entwicklungsschritten im Handel, die mit dem traditionellen physischen Handel begannen und sich über den E-Commerce bis hin zum Metaverse erstrecken. Das Metaverse unterscheidet sich davon, indem es den Handel mit immateriellen Gütern ermöglicht. Diese Entwicklung impliziert die Notwendigkeit eines neuen Vertriebskanals neben den bestehenden physischen und E-Commerce-Kanälen.
Die Idee einer virtuellen Welt, in der man handeln, leben und interagieren kann, ist nicht neu und geht auf philosophische Konzepte und Narrationen zurück, wie sie im Höhlengleichnis Platons zu finden sind. Aktuelle technologische Entwicklungen wie Second Life und Matrix haben Anfänge gemacht, diese Idee zu verwirklichen, und bieten eine Vorstellung davon, was das Metaverse erreichen könnte.

Das Metaverse: Neue Dimension für Unternehmensstrategie und digitale Plattformen

Das Konzept des Metaverses stammt ursprünglich aus dem Buch "Snowcrash". Hier treffen Avatare in einer virtuellen Welt aufeinander, führen Transaktionen durch, handeln, kaufen und kommunizieren untereinander. Der Einsatz von Neuralink von Elon Musk, einer intrakorporalen Technologie, trägt zur Vernetzung im Metaverse bei. Musks Kauf von Twitter wird als taktischer Schachzug gesehen, um seine Technologie und Avatare weiter zu verbreiten, was ein klares ökonomisches Kalkül darstellt.
Die Umstrukturierung von Mark Zuckerberg's Unternehmen zu Metaverse beleuchtet ermöglicht den Übergang in den Aufbau eines eigenen Metaverse. Mit rund einer Billion täglichen Usern auf verschiedenen Plattformen besteht ein enormes potenzielles Kundenpotenzial und Skalierungsmöglichkeiten. Das Metaverse dient dabei als Alternative zum physischen Raum, wodurch physische Waren vermieden werden. Im Metaverse haben Gegenstände einen Wert und können auf entsprechenden Plattformen erworben werden, wie z.B. virtuelle Kleidung.
Die monetäre Größe des Metaverse könnte zu einem starken Wachstum führen. Die Konversion zwischen Metaverse und der physischen Welt ist dabei entscheidend. Unternehmen, die primär physische Produkte verkaufen, könnten das Metaverse als Absatzkanal nutzen, indem sie diese Produkte virtuell anbieten und später in physische Produkte umwandeln.

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf das traditionelle Geschäftsmodell

Bei der Ausrichtung des Geschäfts sind nicht nur die Auswahl und der Vertrieb der Ware wichtig, sondern auch die Aufmerksamkeit der Kunden. Wenn die Kunden ihre Aufmerksamkeit auf den digitalen Bereich lenken, könnten sie dazu neigen, weniger in der physischen Welt zu konsumieren und mehr in der digitalen Welt zu investieren. Das könnte den Share-of-Wallet verschieben, also den Anteil der Ausgaben, den ein Kunde für bestimmte Produkte oder Marken verwendet. Ein Händler oder Hersteller sollte daher überlegen, ob er in der virtuellen Welt präsent ist oder nicht, und die Auswirkungen auf sein ursprüngliches Geschäftsmodell berücksichtigen.
Die Coronapandemie und der daraus resultierende Lockdown haben diese Verschiebung beschleunigt, da die Menschen vermehrt virtuelle Treffen abhalten, anstatt sich physisch zu treffen. Zusätzlich haben technologische Fortschritte in der Medizin die Wahrnehmung der virtuellen Welt intensiviert. Es gibt nun Technologien, die das Sehen und Hören simulieren können, und sogar ein Taste Display wurde in Japan entwickelt, das den Geschmackssinn digitalisiert und damit die sensorische Erfahrung in der virtuellen Welt erweitert.
Im Grunde geht es darum, unsere sensorischen Erfahrungen zu digitalisieren, neu zu kombinieren und dann skalierbar zu machen. Dies wird die virtuelle Welt bereichern, weil man in die Rolle des Avatars schlüpfen oder sich direkt mit ihm verbinden kann, und der Avatar mit entsprechenden Sinneseindrücken versorgt werden kann. In Zukunft könnte die virtuelle Welt möglicherweise die gesamte menschliche Sensorik umfassen.

Integration des Metaverse in Unternehmensstrategien und dessen Potenzial für Verbraucher

Das Metaverse hat vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere in Bezug auf Bildung und Ausbildung. Durch eine Anbindung an Virtual und Augmented Reality ist es möglich, Unternehmen effizienter zu gestalten, indem beispielsweise weniger physische Reisen erforderlich sind. Darüber hinaus besteht eine hohe Zustimmung zu virtuellen Reiseerfahrungen und insbesondere zum Online-Einkauf in verschiedenen Produktkategorien innerhalb des Metaverse.
Unternehmen sollten die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden im Metaverse verstehen und auf dieser Grundlage ihre Angebote gestalten. Hierbei kann das Metaverse insbesondere Menschen ansprechen, die im physischen Raum begrenzte Möglichkeiten haben. Beispielsweise ermöglicht das Metaverse den Zugang zu neuen Identitäten und Erfahrungen, die sonst nicht zugänglich oder erschwinglich wären. Dies stellt eine starke Motivation für den Konsum dar und zeugt von den zukünftigen Aktivitäten der Kunden im Metaverse.
Das Metaverse bietet Lösungen für wesentliche gesellschaftliche Probleme wie Einsamkeit, insbesondere für Menschen, die unter Mobilitätseinschränkungen leiden. Die Möglichkeit, neue soziale Verbindungen zu knüpfen und sich mit anderen zu treffen, auch wenn es physisch nicht möglich ist, ist ein mächtiger Aspekt des Metaverse. Dies zeigt die umfangreichen Möglichkeiten des Metaverse zur Verbesserung der Gesellschaft.

Die Bedeutung der virtuellen Welt und die Rolle der Konsumenten

Die rasch wachsende Popularität der virtuellen Welt, vor allem bei jungen Menschen, ist deutlich sichtbar. Ihre intensiven Online-Zeiten und Technologiekonsum auf verschiedenen Plattformen und Social-Media-Kanälen spiegeln ihren Konsumträume in dieser Welt wider. Dennoch sind ältere Generationen weniger sichtbar in diesen Zahlen, ein Trend der ein enormes Potenzial für gezielte Angebote darstellt.
Zusätzlich zu der Jugendpräsenz in der virtuellen Welt, glaubt man, dass ältere Menschen mit gezielten Angeboten eine ähnlich intensive Nachfrage entwickeln können. Dies erfordert eine einfache und unkomplizierte Technologie, die den Benutzern erlaubt, ihre sinnlichen Eindrücke miteinander zu verbinden. Das Schlüsselwort ist hier Customization, um die Konsumenten dort abzuholen, wo sie sind.
Abschließend wurde eine Abfrage in der aktuellen Woche durchgeführt, um die aktuellen Zahlen darzustellen. Gezeigt wurde hierbei, dass das Thema bereits heute von Relevanz ist. Es besteht großes Interesse und Potenzial in Bezug auf die Zukunft der virtuellen Welt. Daher danken wir allen Teilnehmenden für ihr Engagement und ihre interessierten Beiträge. Wir freuen uns darauf, diese Entdeckungen gemeinsam fortzusetzen.

Der KPMG Zukunftsgipfel geht in die nächste Runde. Am 23. April 2024 widmen wir uns beim Zukunftsgipfel: Digitale Transformation dem Thema "Künstliche Intelligenz: Quantitativer Mehrwert und ethische Herausforderungen".

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